Wie Sie eine Revit-Familie erstellen: Anleitung für Einsteiger
Eine Revit-Familie erstellen Sie im Family Editor: Wählen Sie über Datei > Neu > Familie eine .rft-Vorlage, zeichnen Sie Referenzebenen als Skelett, verknüpfen Sie Maße mit Parametern, bauen Sie die Geometrie mit Extrusion oder Sweep und verriegeln Sie diese auf den Ebenen, flexen Sie die Familie zum Testen und speichern Sie sie als .rfa, um sie in Ihr Projekt zu laden.
Eine Revit-Familie ist eine Gruppe von Elementen mit denselben Eigenschaften und derselben grafischen Darstellung.
In Revit ist fast alles eine Familie: eine Tür, ein Fenster, ein Möbelstück, eine Stütze, sogar ein Textetikett. Eine Familie fasst Geometrie und einen Satz Parameter (wie Breite, Höhe und Material) zusammen, sodass Sie innerhalb einer Familie mehrere Varianten erstellen können. Diese Varianten heißen Typen: Eine Türfamilie kann beispielsweise Typen mit 800, 900 und 1000 mm Breite enthalten.
Es gibt drei Arten von Familien, und es ist wichtig, sie auseinanderzuhalten:
| Familientyp | Beschreibung | Erstellung |
|---|---|---|
| Systemfamilie | Eingebaute Elemente wie Wände, Decken und Dächer | Nicht von Grund auf neu; Sie duplizieren einen vorhandenen Typ und passen ihn an |
| Ladbare Familie (Komponente) | Einzelne Bauteile wie Türen, Fenster und Möbel | Im Family Editor erstellt, als .rfa gespeichert und ins Projekt geladen |
| Vor-Ort-Familie | Einmaliges Element für eine spezielle Situation | Direkt im Projekt erstellt, nicht wiederverwendbar |
Merken Sie sich den Unterschied zwischen Familie und Typ. Die Familie ist die Vorlage mit allen Regeln und der Geometrie; die Typen sind die fertigen Varianten, die Sie aus dieser Vorlage ableiten. Innerhalb einer Türfamilie existieren mehrere Breiten als separate Typen, und im Projekt wählen Sie einfach den benötigten Typ. Das spart Dateien und hält Ihr Modell konsistent, da sich eine Änderung an der Familie auf alle Typen auswirkt.
Als Einsteiger lernen Sie am schnellsten mit ladbaren Familien, denn diese erstellen Sie im separaten Family Editor und können sie in jedem Projekt wiederverwenden. Dieser Artikel konzentriert sich daher auf das Erstellen einer ladbaren Familie, von der Vorlage bis zum geladenen Bauteil.
Sie starten eine neue Familie, indem Sie im Family Editor die passende Vorlage wählen.
Der Family Editor ist eine separate Arbeitsumgebung ohne Gebäudekontext, die auf den Bau eines einzelnen Bauteils ausgerichtet ist. So öffnen Sie ihn:
- Gehen Sie zu Datei > Neu > Familie (File > New > Family).
- Wählen Sie eine Vorlage mit der Endung .rft, z. B. Metrische Möbel, Metrisches Allgemeines Modell oder Metrische Tür.
- Klicken Sie auf Öffnen; der Family Editor startet mit den zugehörigen Referenzebenen und Ansichten.
Die Vorlagenwahl ist kein Detail. Die Vorlage bestimmt die Kategorie der Familie (Möbel, Türen, Fenster usw.), und diese Kategorie steuert das Verhalten der Familie: in welchen Ansichten sie erscheint, ob sie an einer Wand hängt und in welchen Bauteillisten (Schedules) sie berücksichtigt wird. Wenn Sie unsicher bei der Kategorie sind, ist Allgemeines Modell ein neutraler Start, den Sie später über Familienkategorie und -parameter anpassen können.
Achten Sie auf die Einheiten: Wählen Sie eine Vorlage die mit "Metrisch" beginnt, damit Sie in Millimetern arbeiten und nicht in Zoll. Einige Vorlagen haben spezielles Verhalten eingebaut. Eine Tür- oder Fenstervorlage enthält zum Beispiel bereits eine Wandöffnung und erwartet, dass die Familie an einer Wand (Host) hängt; eine flächenbasierte Vorlage platziert sich auf jeder Fläche. Die Vorlage liefert auch Standardansichten (Grundriss, Vorder- und Seitenansicht), in denen Sie sofort arbeiten können, sowie die zentralen Referenzebenen, die den Ursprung markieren.
Referenzebenen bilden das Skelett, an dem Sie Ihre Geometrie befestigen.
Bevor Sie überhaupt eine Form zeichnen, legen Sie Referenzebenen an. Dies sind unsichtbare Hilfsebenen (sie erscheinen nicht im endgültigen Modell), die bestimmen wie Ihr Bauteil ausrichtet und skaliert. Betrachten Sie sie als das Gerüst Ihrer Familie.
Arbeiten Sie in dieser Reihenfolge:
- Zeichnen Sie mit dem Werkzeug Referenzebene (Reference Plane, Tastenkürzel RP) mindestens zwei Ebenen für die Breite und zwei für die Tiefe.
- Verriegeln Sie die Ebenen symmetrisch um den Ursprung (den Schnittpunkt der zentralen Ebenen), damit das Bauteil zentriert bleibt.
- Vergeben Sie wichtigen Ebenen über die Eigenschaftenpalette einen Namen, damit Sie sie später leicht wiederfinden.
Legen Sie auch den Ursprung richtig. Die zentralen Ebenen haben die Eigenschaft Definiert Ursprung (Defines Origin); dieser Schnittpunkt wird der Einfügepunkt, mit dem Sie die Familie später im Projekt platzieren. Ein falscher Einfügepunkt ist ein klassischer Anfängerfehler, der später viel Klickarbeit kostet.
Bauen Sie die Familie immer von innen nach außen: zuerst das Skelett aus Referenzebenen, dann die Maße, dann die Parameter und erst danach die Geometrie. Wer sofort mit dem Zeichnen beginnt, gerät schnell an Grenzen, sobald die Familie skalieren soll, weil nichts vorhanden ist, um die Form zu verankern. Die Reihenfolge Skelett, Maße, Parameter, Geometrie ist der rote Faden jeder einwandfrei funktionierenden Familie.
Mit Parametern machen Sie die Familie flexibel und anpassbar.
Jetzt verknüpfen Sie Maße mit Ihren Referenzebenen und machen diese Maße steuerbar. Platzieren Sie eine Maßkette zwischen zwei Breitenebenen, wählen Sie das Maß aus und wählen Sie in der Multifunktionsleiste Bemaßung beschriften > Neuer Parameter. So erstellen Sie zum Beispiel einen Parameter Breite.
Beim Anlegen wählen Sie zwei Dinge:
- Typ oder Exemplar (instance): Ein Typparameter gilt für alle Elemente dieses Typs (wenn Sie ihn ändern, ändert sich jedes Exemplar mit). Ein Exemplarparameter kann für jedes platzierte Element einzeln eingestellt werden.
- Familienparameter oder gemeinsam genutzter Parameter: Ein normaler Familienparameter genügt für die interne Verwendung. Soll der Wert in Bauteillisten (Schedules) oder Beschriftungen (Tags) angezeigt werden, verwenden Sie einen gemeinsam genutzten Parameter (Shared Parameter), denn nur dieser erscheint dort.
Zum Zentrieren nutzen Sie die Gleichheitsbeschränkung EQ: Wählen Sie die Maßkette zwischen der Mittelebene und den Außenebenen und klicken Sie auf EQ, dann bleibt das Bauteil immer symmetrisch. So bauen Sie eine parametrische Familie, die sauber mitskaliert, statt sich zu verziehen.
Parameter können auch rechnen. Im Fenster Familientypen geben Sie einem Parameter eine Formel, z. B. eine Dicke die immer ein Zehntel der Höhe beträgt, oder ein Zwischenmaß, das sich bei Breitenänderung anpasst. So koppeln Sie Maße aneinander, ohne sie einzeln einzustellen. Halten Sie Formeln einfach und prüfen Sie beim Flexen, ob sie innerhalb realistischer Werte stimmen; eine Formel, die bei großen Maßen einen negativen Wert ergibt, zerstört die Familie.
Die Geometrie erstellen Sie mit Extrusion, Verschmelzung, Rotation oder Sweep und verriegeln sie auf den Referenzebenen.
Erst jetzt zeichnen Sie die eigentliche Form. Revit bietet fünf Werkzeuge, um Volumenkörper (Solids) oder Hohlkörper (Voids) zu erstellen:
| Werkzeug | Verwendung |
|---|---|
| Extrusion (Extrusion) | Ein Profil recht hochziehen, z. B. eine Tischplatte |
| Verschmelzung (Blend) | Zwei unterschiedliche Profile an Ober- und Unterseite verbinden |
| Rotation (Revolve) | Ein Profil um eine Achse drehen, z. B. ein runder Tischfuß |
| Austragung (Sweep) | Ein Profil entlang eines Pfades ziehen, z. B. eine Leiste oder Kante |
| Austragungsverschmelzung (Swept Blend) | Ein sich veränderndes Profil entlang eines Pfades, für komplexe Formen |
Wichtigste Regel: Richten Sie jede Kante Ihrer Geometrie an einer Referenzebene aus und verriegeln Sie diese mit dem Schlosssymbol. Tun Sie das nicht, ändert sich zwar das Maß, aber die Form bleibt stehen. Nur verriegelte Geometrie bewegt sich mit, wenn Sie die Parameter anpassen. Zeichnen Sie eine Extrusion also bis zu den Referenzebenen und klicken Sie jedes Schloss, um die Verknüpfung festzulegen.
Achten Sie auch auf die Arbeitsebene. Jede Form, die Sie zeichnen, liegt auf einer Arbeitsebene (Work Plane); stimmt diese Ebene nicht, landet Ihre Geometrie in der falschen Höhe oder Ausrichtung. Legen Sie die Arbeitsebene bewusst über das Werkzeug Arbeitsebene einstellen (Set Work Plane) fest, bevor Sie zu zeichnen beginnen. Wollen Sie eine Öffnung oder Aussparung erzeugen, verwenden Sie einen Void: Sie zeichnen dieselben Formen, aber als Hohlkörper, der Material aus dem Volumenkörper herausschneidet.
Testen Sie Ihre Familie, indem Sie die Parameter flexen, bevor Sie sie laden.
Flexen bedeutet: die Parameterwerte ändern und prüfen, ob die Geometrie sauber mitbewegt. Dies ist der Schritt, den Einsteiger oft überspringen und der später zu kaputten Familien führt.
- Öffnen Sie Familientypen (Family Types) in der Multifunktionsleiste.
- Ändern Sie einen Wert, z. B. Breite von 800 auf 1200 mm, und klicken Sie auf Anwenden.
- Prüfen Sie, ob die Form mitwächst, ohne sich zu lösen oder zu verformen.
- Wiederholen Sie dies mit einigen extremen Werten, um Schwachstellen zu finden.
Bewegt sich etwas nicht mit, fehlt dieser Geometrie eine Verriegelung an der zugehörigen Referenzebene. Beheben Sie das im Family Editor, bevor Sie fortfahren. Legen Sie bei Bedarf gleich einige brauchbare Typen an (z. B. Standardmaße) über die Schaltfläche Neuer Typ im selben Fenster.
Speichern Sie die Familie als .rfa und laden Sie sie mit „In Projekt laden“ in Ihr Modell.
Eine fertige Familie speichern Sie mit Datei > Speichern unter > Familie; die Datei erhält die Endung .rfa. Geben Sie ihr einen aussagekräftigen Namen, denn dieser erscheint später im Projektbrowser.
Das Laden geht so:
- Klicken Sie im Family Editor auf In Projekt laden (Load into Project) in der Multifunktionsleiste.
- Ist mehr als ein Projekt geöffnet, wählen Sie das gewünschte Zielprojekt.
- Die Familie befindet sich nun unter der entsprechenden Kategorie im Projektbrowser; ziehen Sie sie ins Modell oder platzieren Sie sie mit dem zugehörigen Werkzeug.
Passen Sie später die Familie an, laden Sie sie erneut ins Projekt. Revit fragt dann, wie mit vorhandenen Exemplaren umgegangen werden soll: Vorhandene Typparameterwerte überschreiben oder beibehalten. Wählen Sie bewusst, denn Überschreiben setzt manuelle Anpassungen im Projekt auf die Familienwerte zurück. Verwenden Sie gemeinsam genutzte Parameter, stammen diese aus einer Shared-Parameter-Datei (.txt); bewahren Sie diese Datei zentral auf, damit jeder Zeichner dieselben Definitionen nutzt und die Werte überall in derselben Bauteillistenspalte landen.
Arbeiten Sie im Team an einem gemeinsam genutzten Modell, laden Sie die Familie in die Zentraldatei und synchronisieren Sie, damit alle dieselbe Version erhalten. Wie diese Zusammenarbeit genau funktioniert, lesen Sie in der Anleitung zu Revit-Worksharing einrichten: So funktioniert das zentrale Modell. Wenn das Laden oder Synchronisieren scheitert, hilft Ihnen der Artikel über Fehler im zentralen Revit-Modell beheben: Was bedeutet die Meldung? weiter.
Eine einfache Tischfamilie übt alle Schritte im Kleinen.
Die Theorie setzt sich am schnellsten mit einem konkreten Bauteil. Bauen Sie als Übung einen rechteckigen Tisch mit einstellbarer Breite, Tiefe und Höhe:
- Starten Sie eine neue Familie mit der Vorlage Metrische Möbel.
- Zeichnen Sie in der Draufsicht vier Referenzebenen: zwei für die Breite und zwei für die Tiefe, symmetrisch um den Ursprung mit EQ.
- Verknüpfen Sie Maße mit diesen Ebenen und erstellen Sie die Parameter Breite und Tiefe (Typparameter).
- Erstellen Sie eine Extrusion für die Tischplatte, richten Sie die Kanten an den Referenzebenen aus und verriegeln Sie sie.
- Wechseln Sie zur Vorderansicht, stellen Sie die Arbeitsebene ein und zeichnen Sie vier Tischbeine als separate Extrusionen; verknüpfen Sie die Höhe mit einem Parameter Höhe.
- Öffnen Sie Familientypen, ändern Sie Breite, Tiefe und Höhe und klicken Sie auf Anwenden, um zu flexen.
- Speichern Sie als .rfa und laden Sie den Tisch in ein Testprojekt.
Bewegt sich der Tisch bei jeder Maßänderung sauber mit, beherrschen Sie den Kern des Familienerstellens. Von hier aus sind kompliziertere Bauteile vor allem mehr vom Gleichen: mehr Referenzebenen, mehr Parameter und sorgfältigeres Verriegeln.
Häufige Anfängerfehler vermeiden Sie, indem Sie Geometrie verriegeln und die richtige Kategorie wählen.
Ein paar Fallstricke kehren bei fast jedem Einsteiger wieder:
- Geometrie nicht verriegelt: Die Form bewegt sich beim Flexen nicht mit. Richten Sie jede Kante an einer Referenzebene aus und klicken Sie das Schlosssymbol.
- Falsche Kategorie: Die Familie erscheint nicht in der richtigen Ansicht oder verhält sich merkwürdig. Korrigieren Sie dies über Familienkategorie und -parameter.
- Falscher Einfügepunkt: Die Familie platziert sich nicht dort, wo Sie klicken. Setzen Sie die Eigenschaft Definiert Ursprung auf die zentralen Ebenen.
- Normaler Parameter statt gemeinsam genutzter: Der Wert erscheint nicht in Bauteillisten oder Beschriftungen. Machen Sie daraus einen gemeinsam genutzten Parameter.
- Zu komplexe Familie: Zu viel Geometrie und Parameter machen die Familie schwer und langsam. Halten Sie sie so einfach wie die Nutzung es erlaubt.
Bauen Sie Ihre Familie Schritt für Schritt auf und flexen Sie nach jedem Schritt, dann bleibt sie beherrschbar. Beginnen Sie mit einem einfachen Bauteil (einem Tisch oder Schrank), damit Sie den Rhythmus von Referenzebenen, Parametern, Geometrie und Flexen beherrschen, bevor Sie sich an komplizierte Familien wagen. Weitere Vertiefung finden Sie in der offiziellen Revit-Dokumentation von Autodesk.
Häufig gestellte Fragen
Eine Systemfamilie ist ein eingebautes Element wie eine Wand, eine Decke oder ein Dach; diese erstellen Sie nicht von Grund auf neu, sondern duplizieren und passen einen vorhandenen Typ an. Eine ladbare Familie ist ein separates Bauteil wie eine Tür oder ein Möbelstück, das Sie im Family Editor erstellen, als .rfa speichern und in Projekte laden.
Wählen Sie die Vorlage, die zur Kategorie Ihres Bauteils passt, z. B. Metrische Möbel für Möbel oder Metrische Tür für Türen. Die Vorlage bestimmt die Kategorie und damit das Verhalten und die Sichtbarkeit. Sind Sie unsicher, ist Allgemeines Modell ein neutraler Start, den Sie später anpassen können.
Die Geometrie ist nicht auf den Referenzebenen verriegelt. Beim Flexen ändert sich dann zwar das Maß, aber die Form bleibt stehen. Richten Sie jede Kante der Form an einer Referenzebene aus und klicken Sie das Schlosssymbol, damit die Geometrie den Parametern folgt.
Flexen ist das Testen Ihrer Familie, indem Sie im Fenster Familientypen Parameterwerte ändern und auf Anwenden klicken. Dabei prüfen Sie, ob die Geometrie sauber mitbewegt, ohne sich zu lösen. Führen Sie dies mit mehreren extremen Werten durch, bevor Sie die Familie in ein Projekt laden.
Einen gemeinsam genutzten Parameter benötigen Sie, sobald Sie den Wert in Bauteillisten (Schedules) oder Beschriftungen (Tags) im Projekt anzeigen möchten. Ein normaler Familienparameter bleibt intern in der Familie und erscheint dort nicht. Für Breiten- oder Höhenangaben, die in einer Türliste erscheinen sollen, verwenden Sie also einen gemeinsam genutzten Parameter.
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Daan arbeitet seit über zehn Jahren mit AutoCAD, Revit und Civil 3D im Bau- und Anlagenbau und hilft Planern, ihre Zeichnungen schneller und fehlerfreier zu erstellen.
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